” Macht brauchst Du nur, wenn Du etwas Böses vorhast. Für alles andere reicht Liebe” (Charlie Chaplin)
Zu diesem Zitat postete ich vor kurzem auf meiner Fanpage ein paar Zeilen und erhielt auf verschiedenen Kanälen größere Resonanz. Da dieses Thema auch oft in meiner Coaching- und Führungsarbeit auftaucht, wird es also Zeit, ein bisschen zu fabulieren über Macht und seine wichtigste Helferin, die Manipulation.

Macht und Manipulation haben viele Facetten. Hier im Blogbeitrag geht es mir um die Sensibilisierung für gängige zwischenmenschliche Beeinflussungen, die Dir nicht gut tun. Wie Du auf Beeinflussungen reagierst, dafür gibt es viele Strategien.

Das wichtigste ist jedoch, dass Du die Manipulation erkennst und entsprechend nicht vorschnell Dinge tust, die Du möglicherweise gar nicht willst und die Dir schlimmstenfalls schaden.

Wie in der Fliegerei so schön gesagt wird: STOP – CHECK – OPERATE, z.B. bevor die Flightcrew in stressbelasteten Situationen handelt. Das gleiche Prinzip übertrage ich gerne auf ‚scheinbar harmlose‘ Alltagssituationen im zwischenmenschlichen Bereich. Ich spreche hier im Blog der Einfachheit halber meistens nur in der männlichen Form, wobei natürlich klar ist, dass Männer wie Frauen gleichermaßen unfair manipulieren können.

WAS IST EIGENTLICH MANIPULATION…IM NEGATIVEN SINN?

Manipulation ist der Einsatz unfairer Verhaltensweisen mit der Absicht, seine Mitmenschen zu einer Willensentscheidung oder Handlung zu bringen, die für denjenigen, der die Manipulation ausübt zweckdienlich und vorteilhaft ist. Auf die Interessenlage und den Willen desjenigen, der manipuliert wurde, wird dabei keine Rücksicht genommen.

Manipuliert wird natürlich nahezu überall und keiner kann sich davon frei sprechen, nicht ab und zu selbst zu manipulieren etwa, wenn Du Dein Kind dazu bringen willst, dass es bitte endlich einschläft oder wiederum Dein Kind so lange schreit, bis es die Süßigkeiten bekommt. Selbst unsere Haustiere sind oft Meister der Manipulation, und ein treuer Blick aus Hundeaugen lässt uns schnell schwach werden.

Und jede Führungskraft hat die maßgebliche Aufgabe, Mitarbeiter dahingehend zu beeinflussen, ein vorher klar definiertes Ziel zu erreichen. So wird Führung definiert und im besten Fall geschieht Führung fair und wohlwollend. Wir überreden, schmeicheln, drücken auch schon mal auf die Tränendrüse usw. In dem Moment jedoch, wo Manipulation rücksichtslos und gar zum Schaden des Beeinflussten geschieht, wird es Zeit aufzupassen, genauer hinzuschauen und vor allem: sich Raum und Zeit zum Nachdenken zu nehmen.

VON WEM WIRD DIE MANIPULATION EINGESETZT?

In diesem Zusammenhang spricht man gerne vom Psychopathen. Das kann einen schon gruseln. Tatsächlich wird Menschen mit einer pathogenen Persönlichkeitsstörung sogar in der wissenschaftlichen Literatur nachgesagt, Meister der Manipulation zu sein.

Fest steht, dass Menschen, die sich der eigennützigen und rücksichtslosen Manipulation bedienen, eine gute Menschenkenntnis besitzen müssen. Sie wissen, wo und wie sie ihr Opfer packen können.

Sie erkennen die Schwachstellen ihres Gegenübers oft sehr schnell. Dabei sind sie selbst meist emotional unsichere und verarmte Menschen mit geringem Selbstwertgefühl, die rein egozentrische Ziele verfolgen, für die andere zweckdienlich sind. Solche Menschen sind oft sehr fordernd und geben selbst wenig.

Sie erwarten von anderen Spitzenleistungen und bringen selbst wenig Glaubhaftes zustande.

Emotionale Parasiten eben oder auch Energievampire genannt. Der andere wird gnadenlos benutzt, ausgenutzt oder eingeschüchtert, um das eigene Selbstbewusstsein zu erhöhen, finanziell und sozial zu profitieren oder einfach nur, um von den eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

WAS MIT DIR PASSIERT, WENN DU MANIPULIERT WIRST

Nun könnte man sagen: „Was biste auch so blöd, und lässt Dich zum Opfer machen?… bist doch selbst Verantwortlich für Dein Tun“. Doch so einfach ist das nicht, und es gibt bei jedem Menschen Phasen im Leben, in denen er mentale Durchhänger hat oder einfach weniger achtsam durchs Leben läuft. Diese fehlende Aufmerksamkeit und Fürsorge dem eigenen Wohlergehen gegenüber schleicht sich nur allzu schnell ein, z.B. wenn Dich der Alltag und die Arbeit auffressen, Du nur noch im Autopiloten funktionierst, wenn Du Sorgen hast oder z.B. auch, wenn Du in einer Sinnkrise steckst.

Wenn Du also eh schon gestresst bist, dann ist Dein Urteilsvermögen und Deine Entscheidungsfähigkeit eingeschränkt. Verstand und Emotionen arbeiten nicht mehr optimal im Gleichgewicht zusammen, Deine nun umso wichtigere Intuition lässt Dich im Stich.

Das merken Manipulierer meist sehr schnell und setzen regelrecht noch einen oben drauf.

Sie setzen Dich zusätzlich unter Stress, in dem sie Dich etwa überrumpeln, unter Zeitdruck setzen, Dir drohen, Angst machen, Dich beleidigen, umgarnen, Zwietracht sähen etc.

Doch so offensichtlich und aggressiv läuft es selten ab. Vielmehr wechselt der Manipulierer zwischen scheinbar positiven und negativen Verhaltensweisen hin und her. So folgt z.B. auf die Schmeichelei oft eine Demütigung. In diesem Fall wird Deine Verwirrung umso grösser und Dir fällt es zunehmend schwer zu unterscheiden, ob der andere es gut meint mit Dir oder bösartige/egoistische Absichten hat. Du schlitterst in ein Wechselbad der Gefühle, wirst hin- und her gerissen zwischen Faszination und Abscheu, zwischen Mitleid und Belustigung etc. Du wirst immer unsicherer in dem was Du fühlst, denkst, willst und merkst nicht, wie Du die Kontrolle verlierst.

DOCH WARUM LASSEN WIR UNS ÜBERHAUPT MANIPULIEREN, OBWOHL WIR ES DOCH BESSER WISSEN MÜSSTEN?

Es ist zunächst die Aufmerksamkeit und die Anerkennung, die unser Ego so schön streichelt und die uns dazu bringen, nonstop top zu performen, gut auszusehen, das letzte Hemd herzugeben, immer noch ein bisschen besser und ein bisschen mehr zu geben, in der Hoffnung, dass das nächste Lob, die Beförderung etc. nicht lange auf sich warten lässt. Es ist unter Umständen auch der Ehrgeiz, den Spieß umzudrehen. Empört über das unverschämte Verhalten des anderen nimmst Du Dir möglicherweise vor, es mit gleicher Münze heim zu zahlen oder einfach nur: die Kontrolle zurück zu bekommen, die Demütigung zu überwinden usw. Auch kann es gut sein, dass Du es einfach nicht glauben willst, was Dir gerade widerfahren ist. „So schlecht kann der/die andere es doch gar nicht meinen… ach, er/sie hat doch auch so viele gute Seiten…“. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

WIE DU MANIPULATION ERKENNEN KANNST 

Die Bandbreite an subtilen Manipulationen in Beruf und Alltag ist sehr groß und füllt ganze Bücher. Grundsätzlich ist wichtig, dass Du immer wieder Deine Intuition stärkst und schnell erkennst, wann Dich eine Interaktion stresst. Denn vergiss nicht:

der Manipulierende hat eine entscheidende Waffe: er will Dich unter Stress setzen.
Der Stress schließlich vernebelt Deine Wahrnehmung und schwächt Dein Urteilsvermögen.
Zwei Bücher dazu möchte ich Dir empfehlen, wenn Du Dich für dieses Thema interessierst oder gar unmittelbar betroffen bist:

Dr. Albert Thiele: Argumentieren unter Stress. Wie man unfaire Angriffe erfolgreich abwehrt. dtv >> das ist seit vielen Jahren meine Rhetorikbibel schlechthin. Ich empfehle dieses Buch sehr oft meinen Klienten für die Phase vor unserem Coachingbeginn. Albert Thiele ist einer der Toptrainer, wenn es um Rhetorik, Verhandlungsgeschick und Präsentation geht.

Amazon-Partnerlink

Amazon-Partnerlink

Andreas Erdmüller Thomas Wilhelm: Manipulationstechniken: So wehren Sie sich. Haufe

“Warum habe ich bloß “Ja” gesagt? Oft sind wir mit unseren Entscheidungen im Nachhinein unzufrieden und fragen uns, wie es dazu kommen konnte. Häufige Ursache: Wir wurden manipuliert und haben es mal wieder nicht gemerkt. Dieses Buch zeigt, wie Du die Manipulationsversuche Deiner Mitmenschen durchschauen und erfolgreich abwenden kannst. So lernst Du den eigenen Standpunkt sicher zu vertreten, Argumentationsfallen zu umgehen und andere auf faire Art und Weise für Deine eigenen Ideen zu gewinnen.”

7 STRATEGIEN, WIE DU MIT MANIPULATIONEN UND PERSÖNLICHEN ANGRIFFEN CLEVER UMGEHEN KANNST

  1. Grundsätzlich ist eines essenziell wichtig, wenn Du das Gefühl hast, manipuliert oder dominiert zu werden: Du musst möglichst zügig das Reiz-Reaktionsmuster durchbrechen. Doch was heißt das eigentlich? Oft reagieren wir zu schnell auf die Aktionen des Gegenübers. Wie ein Häschen springen wir gehorsam und schnell, ohne uns Zeit zu nehmen, a. Wahrzunehmen, b. Nachzudenken, und c. Nachzufragen.

Punkt c., die Fragetechnik ist hier sehr wichtig bei unfairen Angriffen, denn wer fragt, der führt. Bsp.: „Was hast Du da gerade gesagt? Ich glaube, ich habe Dich nicht verstanden“ oder „Was machst Du da?“ >>> Was sich hier simpel anhört, ist äußerst effektiv, z.B. bei Provokationen, Beleidigungen und Demütigungen jeglicher Art, die scheinbar arglos und mal eben so nebenbei hingemurmelt werden. Gehe in diesem Fall davon aus, dass die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Absicht bösartig ist. Das Gesagte, das Verhalten soll Dich verunsichern, klein machen, schwächen.

  1. Du glaubst, Du hast den Manipulierer durchschaut, lachst ihn vielleicht innerlich sogar aus und machst dann doch einen ganz entscheidenden Fehler: von Neugier getrieben analysierst Du das Verhalten des Manipulierers und deutest es in eine bestimmte Richtungwie z.B. „ach, der ist halt so…der hat doch eh nur Komplexe…“, anstatt den Fokus auf konkrete Verhaltensweisen zu richten und diese deutlich zu benennen wie z.B. „Du bist mir jetzt zum dritten Mal hintereinander ins Wort gefallen“. >> Du lenkst Dich mit der Analyse ab, Deine Wahrnehmung geht in die Defensive. Letztendlich ist die Deutung nichts mehr als ein Wegducken, in der Hoffnung, dass es nicht so schlimm wird. Und den Manipulierenden interessiert es eh nicht, wie Du ihn/sie siehst. So lange Du geschäftig analysierst, kann der Manipulierende munter weiter machen, Dich nonstop unter Stress setzen und Deine Willenskraft sukzessive unterwandern.
  1. Hüte Dich davor, Dich zu rechtfertigen oder zu erklären. Darum geht es dem Manipulierer. Du sollst beschäftigt und damit abgelenkt sein. Sollst beschäftigt sein mit seinen Schuldzuweisungen. So merkst Du nicht, was er/sie tatsächlich vorhat. Du sollst  Dich am besten um Kopf und Kragen reden. Damit bietest Du dem Manipulierenden neue Angriffsflächen. >> Im Zweifelsfall fragst Du besser nach, wie z.B. „Was meinst Du damit? oder „Was bezweckst Du damit?“ oder „Um was geht es hier eigentlich?“
  1. Wer manipuliert, muss nicht zwangsläufig ein Intelligenzbolzen sein. Oft höre ich von meinen Klienten Sätze wie: „Ach, das kann nicht sein, dass Kollege xy das absichtlich macht. Dafür ist der doch viel zu dumm.“ Bitte unterschätze nie Dein Gegenüber. Denn alles, was ein Manipulierer braucht, ist eine Strategie, um seine niederen Instinkte auszuleben, seine Gier zu befriedigen, die Schmach für seine Defizite zu kompensieren.

Manipulierer werden oft erst in ihrer Dummheit dreist und schamlos. Diese Tatsache zu verharmlosen, ist sehr gefährlich. Dummheit schmälert nicht den Schaden, den Manipulation anrichten kann und ist auch keine Entschuldigung dafür.

Deswegen bleibe bei den Tatsachen, nehme das wahr, was gelaufen ist und agiere offensiv.

  1. Ein probates Mittel der Manipulation ist die Omnipräsenz, d.h. der Manipulierende hält fast nonstop zu Dir Kontakt um Dir keinen Spielraum zu bieten, nachzudenken, ob und was Du wirklich willst. Das kann ein neuer Verehrer sein, ein Verkäufer, Dein Chef, der Dich spät abends noch anruft und Dich gerne Überstunden machen lässt oder Dich mit Routineaufgaben regelrecht zuballert. >> Dein Geist soll nonstop mit Belanglosem auf Trab gehalten werden, bis Du keine Kapazität mehr hastzu überlegen und nach rechts und links zu schauen. Das ist das, was Du unter Fremdbestimmung verstehen kannst. Du wirst dermaßen in Beschlag genommen, bis Du nachgibst. Viele Betroffene sind hier zu ängstlich oder zu höflich, um das zu tun, was hier das Beste ist: STOP sagen oder noch konkreter: „DU NERVST! ICH BRAUCHE NE PAUSE“! Wer das nicht respektiert, hat ganz klar manipulative Absichten.
  1. Äußerungen oder Fragen mit großem Interpretationsspielraumsind ebenfalls ein oft genutztes Mittel, um sein Gegenüber raus der Reserve und rein in die Defensive zu locken. In Vorstellungsgesprächen wird diese Taktik oft genutzt, aber auch in Verhandlungsgesprächen. Hier sollen dem Gesprächspartner oft persönliche Denkweisen oder möglichst große Zugeständnisse entlockt werden. >> Viele Menschen reden sich in solchen Situationen um Kopf und Kragen und bieten dem Gegenüber eine Angriffsfläche nach der anderen.

Das Mittel der Wahl ist auch hier:   NACHFRAGEN. „Können Sie bitte konkreter werden“, „Wie soll ich Ihre Aussage verstehen?“ etc. Wird der Manipulierende trotz Nachfragen nicht konkreter, hast Du das gute Recht, das Gespräch zu beenden. So etwas wird Dir im Assessment nicht passieren, denn hier wird man Dein Nachfragen wohlwollend anerkennen und Dir entgegenkommen.>> In Situationen, in denen Interessenlagen mit unfairen Mitteln durchgesetzt werden sollen, merkt Dein Gegenüber i.d.R. schnell, dass durch die Fragetechnik eine Grenze gezogen wird – und das auf eine souveräne Art.

  1. Nicht zu unterschätzen ist auch das, was passiert, wenn Du nicht das machst, was der Manipulierer will. Die Reaktion/ u.U. den Gegenschlag des Manipulierers auszuhalten und hier nicht einzuknicken, halte ich für eine entscheidende Kunst.

 „Zeig einem schlauen Menschen einen Fehler und er wird sich bedanken. Zeig einem dummen Menschen einen Fehler und er wird Dich beleidigen“ (Laotse)

Dieses Zitat drückt sehr gut aus, was ich meine. Es gibt nun zwei Möglichkeiten, wie ein erfolgloser Manipulierer reagiert: die Intelligenten, Souveränen kommen Dir  entgegen, suchen vielleicht sogar das fruchtbare Gespräch und lassen von ihrem Kurs ab.

Und dann gibt es die hoffnungslos Dummen, Niederträchtigen, die nun zum Gegenschlag ausholen.

Die Gegenreaktion stellt eine Art Bestrafung und Drohung gleichermaßen dar. Diese Sorte der Manipulierer zeigt sich gerne eingeschnappt, redet nicht mehr mit Dir, Du wirst ignoriert, ausgelacht, denunziert und beschimpft, und das meist im Stil der untersten Kategorie. Viele Manipulierer zeigen nun ihre wahre Fratze und demontieren sich endgültig.

Viele Betroffene sind nun wiederum verunsichert, eingeschüchtert, und spielen gar aus Höflichkeit ein falsches Spiel mit.

Hier heißt es also standhaft zu bleiben, seiner Intuition zu vertrauen und sich eben nicht auf das billige Niveau des anderen einzulassen. Bleib‘ Dir selbst treu und Du wirst gewinnen! Sei Dir sicher, dass Manipulierer der unteren Kategorie schnell entlarvt werden.

Du siehst, es ist nicht so schwer, allgegenwärtige persönliche Manipulationen zu erkennen und mit ihnen adäquat umzugehen.

Wichtig ist, dass Du regelmäßig:

  • Stress abbaust und Ruhe bewahrst
  • Deine Wahrnehmung fokussierst
  • Dir Zeit nimmst und vor allem:
  • Rückfragen stellst

Fragen zu stellen, das ist dabei mein Favorit. Denn Fragen zu stellen ist in vieler Hinsicht für alle Beteiligten vorteilhaft:

Fragen schaffen Klarheit bei eventuellen Missverständnissen

  • Sie können brenzlige Situationen effektiv entschärfen
  • Fragen können eine Situation gut steuern und schaffen Dir ein Zeitfenster zum nachdenken
  • Und Fragen suggerieren auch einen Rahmen mit Grenzen, die dann nicht mehr so schnell überschritten werden

Wenn Dir dieser Blog-Artikel gefallen hat, dann teile ihn gerne.

Bis zum nächsten Mal

Alles Liebe – Deine Patrizia

Bildnachweis: Yomare, Pixabay